Klimagarten Südpfalz
Nachhaltiger Nutzgarten & Selbstversorgung

Selbstversorgung

Wir leben in sicheren Zeiten: Die Regale der Supermärke und die Tische auf dem Wochenmarkt sind brechend voll. Erzeugnisse aus der ganzen Welt sind jederzeit und billig zu haben. Die Generation meiner Großeltern kannte noch den Hunger infolge zweier Weltkriege, der Hyperinflation und der Massenarbeitslosigkeit. Alles lange her. Kann uns doch nicht mehr passieren? Ich bin mir da nicht so sicher und sehe den Nutzgarten auch als Versicherung für "schlechte Zeiten". 

Selbstversorgung ist ein dehnbarer Begriff. Angefangen bei zwei Dutzend Tomaten aus dem Balkonkasten bis hin zur autarken Vollversorgung. In der Literatur wird für eine vegetarische Ernährungsautonomie ein Flächenbedarf von 500 bis 2.500 qm pro Person genannt, sofern die Flächen optimale Erträge erbringen sowie Getreide und Ölsaaten in größerem Umfang angebaut werden. In Zeiten immer unsicherer werdender Klimaverhältnisse und somit stark schwankender Ernteerträge sollte die Fläche also eher größer ausfallen.  

2025 gab es in unserem Kleingarten (ca. 350 qm Fläche) eine gute Ernte. Die 240 kg Obst und Gemüse deckten etwa 6 % des Kalorien- und dank der guten Bohnenernte rund 13 % des Proteinbedarfes ab. An den geernteten Kartoffeln, Äpfeln und Zwiebeln konnten wir uns ein halbes Jahr lang erfreuen und auch noch viel verschenken. Die selbst gemachte Beerenmarmelade reicht für das ganze Jahr. Von Juni bis Oktober beziehen wir unser Gemüse weitgehend aus dem Garten. Damit sparten wir über 800 Euro ein, was rund 11 % unseres Jahresbudgets für den Einkauf von Lebensmitteln ausmachte. 

Ich stamme nicht aus einer landwirtschaftlichen Familie, sondern habe mir den Anbau von Lebensmitteln selber beigebracht. Und lerne jedes Jahr noch viel dazu. Die Pflanzen zu Hause vorziehen, die Beete vorbereiten, säen, wässern, düngen, pflegen, ernten, verarbeiten, lagern - eine unglaublich spannende Arbeit. Aber Vorsicht: Einen Nutzgarten zu bewirtschaften ist harte Arbeit und kostet Zeit. 

Wir leben in einer Zeit großer Umbrüche: Kriege, Seuchen, zerbrechliche globale Lieferketten. Die größte Herausforderung geht von der Erderhitzung aus: Die Folgen in Form von Dürre und Hitze bekommen wir heute schon zu spüren, Tendenz steigend! Global ist mit einer Verknappung der Lebensmittel zu rechnen. Ich halte es für klug, wenn wir uns auf eine Versorgung mit Grundnahrungsmitteln aus der Region einstellen. Das Flächenpotenzial dafür ist vorhanden, wie meine beiden Kurzstudien aus dem Jahre 2022 für die Südpfalz zeigen.